Vielfältiges Leben in den Hausgemeinschaften

Das gemeinsame Leben von Betreuten und Betreuern hat in Höhenberg vielfältige Ausprägungen und bietet großen individuellen Spielraum im Wohnbereich. In den Hausgemeinschaften wohnen Seelenpflege-bedürftige Menschen und Nichtbehinderte in einer Wohngemeinschafts-ähnlichen Lebensform zusammen. Die Be-treuer oder Hauseltern sind oftmals sozialtherapeutisch ausgebildete Ehepaare mit zum Teil eigenen Kindern, oder auch allein stehende Hausleiter. In Höhenberg gibt es sechs dieser Hausgemeinschaften. Hinzu kommen vier Wohnhäuser in Remelberg. Zusammen bilden diese Hausgemeinschaften eine überschaubare, dorfartige Lebensgemeinschaft in ländlicher Umgebung.

In Velden, einer Marktgemeinde nahe Höhenberg, gibt es dagegen eine städtische Hausgemeinschaft. Und in Buchbach, ebenfalls ganz in der Nähe, liegt das »Quellhaus«, in der eine Wohngruppe selbstständig lebt und von einem Höhenberger Gruppenleiter betreut wird. Unweit von Höhenberg, in Oberensbach, gibt es das »selbstständige Paarwohnen« in einer Mietwohnung. Hier erfolgt die Betreuung nach Bedarf.

Diese vielfältigen Wohnmöglichkeiten für Betreute sind Teile des Gesamtorganismus Höhenberg. Sie bieten als äußere Hülle unterschiedliche Bedingungen des Zusammenlebens und verschiedene Formen der Integration – entweder in einer ländlichen oder kleinstädtischen Umgebung.

In diesem vielfältigen Angebot kann jeder seinen passenden Wohn- und Lebensraum finden. Die Möglichkeit dieser Auswahl schafft persönlichen Entwicklungsspielraum, in dem sich der Einzelne verändern und weiterentwickeln kann. Zugleich werden die Wünsche nach Intimität, nach Rückzugsmöglichkeit sowie eigenen Gestaltungsbedürfnissen berücksichtigt. Unterstützt werden auch die Kontakt- und Beziehungswünsche der Betreuten: insgesamt leben sieben Paare zusammen. Daneben gibt es mehrere Paare in langjähriger Partnerschaft, die aber noch nicht zusammenleben.

Die Wohngruppen regeln im täglichen Zusammenleben die an-fallenden Aufgaben selbst, wie z.B. die Essenszubereitung und den Abwasch, die Reinigung der Gemeinschafts- und Sanitärräume, die Vorratshaltung, das Einkochen und Einfrieren, die Versorgung der Wäsche und vieles mehr. Selbstverständlich richtet sich der Anteil der Beteiligung an diesen Arbeiten nach den Fähigkeiten und Möglichkeiten des Einzelnen. Bei Betreuung und Pflege in den Wohnbereichen wird Wert auf eine Balance zwischen Selbstständigkeit und Fürsorge gelegt. Der Leitgedanke dabei ist »Hilfe zur Selbsthilfe«. Von den Betreuern wird daher so viel Hilfe als nötig – aber auch so wenig wie möglich – angeboten und geleistet. Das gilt auch für die Integration älterer und schwerstpflegebedürftiger Betreuter.

Möglichst gesund

In Höhenberg wird ein möglichst gesundes Wohnen und Leben angestrebt. Es beginnt bei der entsprechenden Baubiologie der Wohnhäuser – so werden z.B. elektromagne-tische Störfelder in Ruhebereichen und Schlafplätzen möglichst vermieden; setzt sich fort in einer künstlerisch gestalteten Architektur, in der das alltägliche Leben Freude bereitet, und geht hin bis zu ökologischen Pflegemitteln, alternativen Energieformen und einer gesunden Ernährung. Die Nahrungsmittel dazu kommen zum größten Teil aus der eigenen biologisch-dynamischen Landwirtschaft und den eigenen angeschlossenen, lebensmittelverarbeitenden Werkstätten. Auch zugekaufte Nahrungsmittel haben entweder »Demeter«-Qualität oder stammen zumindest aus biologischem Anbau.

Lebendiges Miteinander

Leben in Höhenberg bedeutet auch die Gestaltung des sozialen Miteinanders. So wird z.B. bei der Zusammensetzung der Wohngruppen die Konzentration bestimmter Behinderungsformen oder Altersgruppen vermieden, damit es kein Übergewicht von bestimmten Verhaltens- oder Lebensweisen in einer Gruppe gibt. Es wird großer Wert auf Vielfalt und Unterschiedlichkeit gelegt, damit der eine vom anderen lernen kann und die verschieden veranlagten Menschen sich ergänzen und gegenseitig helfen können. Alte und pflegebedürftige Menschen können in »ihren« Gruppen bleiben, vorausgesetzt, sie wollen das. Beziehungen, Freundschaften und Partnerschaften unter Betreuten sind eine Chance für besondere individuelle Entwicklungen und zugleich auch ein förderliches Element im sozialen Organismus Höhenbergs. Daher werden schon seit 1991 Paarbeziehungen von Betreuten in besonderer Weise gefördert und begleitet. So gibt es eigene Wohnmöglichkeiten für Paare innerhalb und auch außer-halb von Höhenberg. Wie überall, wo Menschen in einer Gemeinschaft zusammen leben und arbeiten, gibt es auch in Höhenberg Konflikte und Krisen. Oft sind sie Ausdruck eines persön-lichen oder eines sozialen Entwicklungsprozesses und daher ein nicht zu unterschätzender Bestandteil von Wachstum. Um mit Krisen und Konflikten angemessen umgehen zu können, gibt es in Höhenberg eine Handlungsleitlinie, die die Art und Weise des Umgangs mit Auseinandersetzungen und Konflikten versucht zu regeln und damit hilft, dass in Höhenberg eine »Konflikt-Kultur«

Freizeit, kulturelles und spirituelles Leben

Neben den Arbeitsangeboten gehört in Höhenberg die sinnvolle Gestaltung der Freizeit sowie das kulturelle und religiöse Leben mit dazu. Viele Betreute möchten und brauchen Entspannung, Erholung und Freizeitvergnügungen. Aber auch Fitness und Fortbildung in den verschiedensten Bereichen sind gefragt. Die Auswahl dazu ist vielfältig, und die Angebote werden von den Betreuten mit großer Begeisterung angenommen. Für die Schwächeren gibt es zurückhaltendere, mehr auf Motivierung ausgerichtete Begleitung. Hier muss niemand müssen, denn oberster Leitgedanke ist auch hier das Freiheitselement, die Selbstbestimmung. Die individuell gestaltete Freizeit hat gleichberechtigte Bedeutung neben den angebotenen Gruppenaktivitäten und wird selbstverständlich genauso gefördert und begleitet.

In letzter Zeit erfreuen sich die eher kleinen, überschaubaren Veranstaltungen in den Wohnhäusern größerer Beliebtheit als die abendlichen Großveranstaltungen. Bei den Veranstaltungen der kleineren Gruppen wird vorgelesen, gespielt oder gebastelt, je nach Wunsch und Laune.Mindestens ebenso wichtig sind die Aktivitäten außerhalb der Lebensgemeinschaft. Sie werden meist von den Wohngruppen selbst organisiert, wie z.B. auswärts Essen gehen und Kegeln, Theater- und Kinobesuche, Teilnahme an Dorffesten und an öffentlichen Wanderungen, Ausflüge ins Umland sowie der Besuch von Museen und Aus-stellungen in den nahe gelegenen größeren Städten.

Im Sommer gibt es vier und im Winter zwei Wochen Urlaub

Die meisten Werkstätten sind in dieser Zeit geschlossen. Zusätzlich gibt es im Jahr etwa acht Tage individuellen Urlaub. Betreute, die keine Angehörigen haben, können während der Ferienzeit in Höhenberg bleiben oder, wenn sie das wollen, an Gruppenreisen teilnehmen. Seit vielen Jahren werden im Sommer dafür eigene, begleitete Urlaubsreisen angeboten.

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